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Oktober 2019
Nr. 243


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MEDIA BIZ digital


Mag. Lisa Totzauer
Foto: Elisabeth Uhl
Alles bleibt anders

Die 15. Ausgabe des  Filmwirtschaftssymposiums der Fachvertretung der steirischen Wirtschaftskammer in Bad Waltersdorf Ende September stand unter dem Motto „Aktuelle Trends für Produzenten und Partner“. Entscheidungsträger und Experten bestritten das dichte Programm der Veranstaltung, berichtet Wolfgang Ritzberger.

Die - wenn man so will „Softnews“ zum Einstieg - Informationen zu den beiden neuen Kollektivvertrags-Positionen Kamera III und Medienfachkraft, wurden unter den Filmschaffenden mit überschaubarer Begeisterung aufgenommen. Manfred Studnitzka, Obmann der Berufsgruppe Werbe-, Wirtschafts- und Bildungsfilm im Fachverband der WKO, und der Geschäftsführer des Fachverbandes Dr. Werner Müller versuchten, die aus einzelnen Berufsverbänden kommende vehemente Kritik zu entkräften. Fazit, der alte KV würde die Lebensrealität nicht mehr abbilden. Er sei in einigen Positionen schlicht zu hoch angesetzt. Vor allem Produzenten von Wirtschafts- und Bildungsfilmen haben die Realität im Markt hier nicht abgebildet gesehen, daher diese zwei Positionen. Der AAC (austrian association of cinematographers) und der Fachverband der Filmschaffenden hatten ja in einem offenen Brief an die Gewerkschaft, der Verhandlungspartner des Fachverbandes in Sachen KV, nach Bekanntwerden des neuen KV im Dezember letzten Jahres heftig Kritik geübt.

Urheberrecht und Transparenzprinzip
Wenig tröstlich mag da erscheinen, dass die von einigen Filmschaffenden subjektiv als Schlechterstellung empfundenen Ergänzungen des aktuellen KVs von wahrscheinlich erheblichen Unsicherheiten im Bereich des Urheberrechtes abgelöst beziehungsweise ergänzt werden, die jetzt auch auf Österreich zukommen. Wobei die Diskussion um den umstrittenen Artikel 17 (vorher 13) zwar die heftigsten, gleichzeitig aber auch die am wenigsten relevanten waren. Werner Müller meinte, es sei bemerkenswert gewesen, dass alleine die Umnummerierung von Artikel 13 auf 17 dazu geführt habe, dass auch die Diskussion verebbt sei. Sie werde zwar bei Inkrafttreten wieder aufflammen und zahlreiche lautstark das Ende der Freiheit im Netz beklagende Demonstrationen generieren, aber das wäre es dann auch schon. Denn inhaltlich sei, so Müller sinngemäß, die G´schicht schon gegessen, die großen Player wie YouTube haben längst die bekämpften Netzfilter installiert. Viel mehr Diskussionsstoff wird die Fairness- und Transparenzregelung bringen, wie sie etwa im deutschen Urheberrecht verankert ist. Das hat ja erst das als Musterprozess geltende Verfahren von Jost Vacano, bekanntlich DoP des erfolgreichsten Filmes aller Zeiten, „Das Boot“, möglich gemacht (wir haben im Oktober 2018 darüber berichtet). Vacano berief sich auf dieses Fairnessprinzip und wollte von den Bavaria-Studios (und dem Koproduzenten WDR) wissen, wieviel man an dem Film nach der ersten Verwertung verdient habe – schließlich habe er als DoP maßgeblichen Anteil am Erfolg – was vor allem beim Film „Das Boot“ mehr als berechtigt scheint. Seine Kameraführung mit einem Kreiselkompass als Stabilisator, die es ihm ermöglichte, mit der Kamera durch das U-Boot zu flitzen - er sprang damit sogar durch die Schotten - ist bis heute legendär. Kurz und gut, nach vielen Jahren setzte sich Vacano durch, es brauchte dafür auch den Gang zum Höchstgericht. Die Bavaria musste von den 40 Millionen Euro, die ihr der Film zwischen 1995 und 2013 eingebracht hatte, etwa eine Million an Jost Vacano als zusätzliche Abgeltung der Urheberrechte überweisen. Werner Müller war die Freude über dieses Urteil anzuhören, denn genau diese Fairness und das damit verbundene Transparenzprinzip – die Produktionsfirmen werden ihre Verwertungsabrechnungen in Zukunft gleich ans schwarze Brett nageln dürfen – werden auch in Österreich Einzug halten. Die Vorfreude mancher Filmschaffender, vor allem der DoPs, sei aber zu früh, denn der Film „Das Boot“ sei in ganz Europa ein Sonderfall, die möglichen Erlöse aus diesem Titel kann man bei der durchschnittlichen Verwertung eines österreichischen Filmes als überschaubar ansehen. Ob eine Abgeltung der Rechte, die normalerweise mit dem Honorar oder der Gage zeitlich und räumlich unbeschränkt geschieht oder geschehen ist, im Nachhinein, verglichen mit den Erlösen aus der Verwertung, als fair empfunden werden kann, darf oder muss, werden letztlich die Gerichte entscheiden, so Müller. Denn die Vorgaben aus Brüssel, also der Text der Richtlinie, gebe da nichts wirklich Greifbares her. Und wie heißt es so schön, auf hoher See und vor Gericht sei man in Gottes Hand. Die im Smalltalk beim Abendessen erzählten Beispiele diverser Gerichtsurteile bestätigten diese Volksweisheit – oder wie Juristen wissen, man bekommt nicht recht, sondern ein Urteil.

Zahlen und Vergleiche
Erfreuliches durfte dann Mag. Roland Teichmann, Direktor des ÖFI, berichten: Ja, es gibt mehr Geld und nein, leider nicht für das Budget, sondern in der Kalkulation für die Produktionsfirmen.

Weitere Zahlen und ein Vergleich mit Fußball-Budgets, ein Steuermodell zur Filmfinanzierung, ein Blick in die schon heute reale Zukunft von Virtual Reality oder Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem ORF oder mit Sky eröffnen sich bei der Lektüre der Seiten 34 bis 36 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.
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