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Sommer 2018
Nr. 232


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MEDIA BIZ digital






















Veit Heiduschka
Foto: Karin Wasner
Niki Lists "Müllers Büro" war lange Zeit das "all time high"
an der österreichischen Kinokassa.

Foto: Filmarchiv Austria

Kein Regisseur will schlechte Filme machen

Dr. Veit Heiduschka, Doyen der Filmproduzenten, Gründer und bis heute aktiv in der WEGA-Film, Produzent von Regisseuren von Niki List bis Michael Haneke, feiert im Mai seinen 80. Geburtstag. Das Filmarchiv widmet ihm eine Retrospektive (noch bis 27. Juni) und ein Bühnengespräch im Metro-Kino im Mai, bei dem sich auch Wolfgang Ritzberger unters Publikum mischte.

Veit Heiduschka vorzustellen, hieße in diesem Magazin die sprichwörtlichen Eulen nach Athen zu tragen, denn er begegnet einem als durchschnittlichem Filmschaffenden sozusagen an allen Ecken und Enden. Entweder im Fachverband, wo er im gewählten Vorstand für die Sparte Spielfilm zuständig ist, bei der Verwertungsgesellschaft für audiovisuelle Medien VAM, bei der Austrian Film Commission, kurz AFC, oder bei den Filmfestspielen in Cannes. Dort zählt er sozusagen schon zum Inventar, nicht zuletzt, weil er Michael Haneke mit seinem Schaffen strategisch genau dort positioniert hat. Was, wie er erzählt, harte Arbeit war, denn nachdem Haneke mit seinem ersten Film in Cannes gezeigt wurde, war das Echo – auch das der Presse -überschaubar. „Bei der Pressekonferenz waren nur ein paar Journalisten aus Österreich, da habe ich mir gedacht, deswegen bin ich nicht hier.“ Daraufhin hat er auf seine Kosten und auf Kosten von Hanekes Zeit, wie er betont, den damals noch unbekannteren Regisseur um die Welt zu allen möglichen Festivals geschickt. Ergebnis: „Beim nächsten Film war der für Journalisten vorgesehene Platz in dem Zelt in Cannes zu klein.“

Stichwort Haneke
Was wohl die wenigsten vor dem Werkstattgespräch wussten: Heiduschka musste Michael Haneke zur Verfilmung des Buches „Die Klavierspielerin“ erst überreden. Oder auch, dass Elfriede Jelinek und er Studienkollegen waren und einander aus dieser Zeit noch gut kennen. Stichwort Studium - der Doktortitel war dem jungen DDR-Bürger, geboren 1938, nicht in die Wiege gelegt worden. Er erschien den Behörden in der DDR, seines inhaftierten Vaters wegen, nicht zuverlässig genug und durfte daher kein Abitur machen, sondern hätte Maurer oder Schlosser werden sollen. Dank der Intervention seines Onkels, der als Sozialdemokrat im KZ war, wurde er dann Einzelhandelskaufmann. „Wie wir als junge Menschen dort angetreten sind, lagen schon die Beitrittserklärungen für die FDJ und die Gewerkschaft bereit. Nicht zu unterschreiben war undenkbar.“ Heiduschka zog es dann nach der Ausbildung vor, aus der DDR zu flüchten und kam nach Wien, wo er sich zunächst als Schriftsteller versuchte. Er holte seine Ausbildung nach, machte die Externisten-Matura, studierte schließlich Philosophie und Theaterwissenschaften und schloss das Studium mit dem Doktorat ab. Deshalb, erzählt er, sei er bis heute ein überzeugter und dankbarer Österreicher: „Österreich hat mir gegeben, was mir in Deutschland, sowohl in der DDR als auch später in Westdeutschland, verwehrt wurde: Bildung. Denn mit der Externisten-Matura durfte ich in Deutschland nicht studieren, in Österreich schon.“

Mehr über den Werdegang von Veit Heiduschka, vom Austricksen von Dauerrednern beim Viertel-Telefon, vom ersten bis heute nachwirkenden Erfolg bis zu Anregungen zur Änderung der Förderregularien erfahren Sie ab Seite 30 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.

Anlässlich seines 80. Geburtstags würdigt das Filmarchiv Austria Veit Heiduschka mit einer ersten ihm gewidmeten Retrospektive: noch bis zum 27. Juni im METRO Kinokulturhaus.
www.filmarchiv.at
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