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September 2019
Nr. 242


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MEDIA BIZ digital


Technische Richtlinien und Spezifikationen verbessern Workflows und erleichtern die ­Zusammenarbeit (hier am Beispiel der TPRF).
Richtlinien und Spezifikationen für Austauschformate

Die Zahl von Datenformaten, Produktions- und Abgabeformaten steigt rasant an, gleichzeitig werden die Produktionszeiten kürzer und die Budgets kleiner. All das sorgt für zunehmende Schwierigkeiten beim Materialaustausch zwischen Kunden und Tonstudios. Eine Initiative des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft innerhalb der WKO versucht, Ordnung ins Chaos zu bringen und für alle Seiten bessere Workflows zu etablieren. Karl M. Slavik ist mit dabei und berichtet.

Wer in den frühen 90er Jahren Werbung, Dokus oder fiktionalen Content für das Fernsehen drehen wollte, hatte gerade einmal drei Drehformate zur Auswahl: Digital Betacam sowie 16- und 35-mm-Film (von Nischenformaten wie D2 einmal abgesehen). Der Ton dafür wurde am Set entweder analog auf dem ¼-Zoll-Band einer Nagra oder digital auf DigiBeta oder DAT aufgezeichnet, in Mono oder Stereo, mit Timecode, Pilotton oder ohne Synchroninformation. Der Materialaustausch mit dem Tonstudio war in Folge vergleichsweise einfach, als Misch- und Abgabeformat war Mono oder bestenfalls Stereo gefragt.

Chaos trotz geltender Richtlinien
In den letzten Jahren kam es zu einer wahren Formatexplosion. Neben einer Vielzahl an Audio- und Video-Codecs, File-Formaten und Containern mit jeweils hunderten von Einstellungs- und Fehlermöglichkeiten haben sich eine stark zunehmende Zahl von Kanalformaten und viele neue Misch- und Abgabeformate etabliert. Auch professionelle Auftraggeber wie etwa Agenturen und TV-Sender sehen sich von der schier unendlichen Vielfalt überfordert und fordern möglichst viele Varianten von Mischungen an, um auf Nummer sicher zu gehen. Bezahlt werden soll jedoch nur eine Mischung, die aber als Programmton (PGM) und Internationaler Ton (IT) in möglichst allen Kanalformaten zwischen Stereo, Surround und Immersive Audio hergestellt werden soll.
Obwohl Normen, Standards und technische Richtlinien existieren, die den Materialaustausch zumindest teilweise regeln, entwickelte sich über die Jahre ein Wildwuchs an Formaten und Anforderungen, die von den Tonstudios nicht mehr einfach „nebenbei“ erledigt werden können. Technische Richtlinien, wie etwa die Produktionsrichtlinien Fernsehen (TPRF) vom Institut für Rundfunktechnik IRT, die auch in Österreich gültig sind, sind vielen Auftraggebern (und leider auch Tonstudios) unbekannt. So war es bis vor Beginn der WKO-Initiative z.B. immer wieder nötig, einzelne TV-Spots in mehreren unterschiedlichen „Pegelversionen“ abzugeben, obwohl alle abnehmenden TV-Sender im deutschen Sprachraum nach EBU R 128 arbeiten und dadurch an einheitliche Pegel- und Lautheitsstandards gebunden sind.

Von weiteren Gründen, warum diese Initiative ins Leben gerufen wurde und welche Ziele sie verfolgt, berichtet Karl M. Slavik ab Seite 30 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ. Alle Mitglieder des Fachverbands sind eingeladen, sich an der Zusammenarbeit zu beteiligen.
Die Fertigstellung des Projektes ist für die nächsten Monate angedacht, im Anschluss stehen für Verbandsmitglieder und deren Mitarbeiter Schulungen zur Verfügung. MEDIA BIZ wird in den kommenden Ausgaben über weitere Fortschritte sowie über die Technischen Richtlinien und Spezifikationen ausführlich berichten.
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