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März 2019
Nr. 237


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MEDIA BIZ digital


Kimber Lee Jarrett
Foto: Frauenfilmtage
Ins richtige Licht setzen

Noch bis zum 7. März bieten die mittlerweile 16. Frauenfilmtage im Stadtkino im Künstlerhaus Wien neben zahlreichen Filmen ein Spezialprogramm, das Margarethe von Trotta gewidmet ist. Ein weiteres Highlight ist die Personale zu Kimber Lee Jarrett, eine der wenigen Oberbeleuchterinnen der Filmbranche, die auch am 9. März für die Frauenfilmtage einen Workshop in Wien gestalten wird.
Text: Wolfgang Ritzberger


Der Eröffnungsfilm der diesjährigen Frauenfilmtage behandelt das heute noch aktuelle Thema der Zwangsverheiratung und die damit verbundenen Rollenbilder, mit denen Frauen konfrontiert sind. Regisseurin Ash Mayfair aus Vietnam siedelt ihren Film „The Third Wife“ im Vietnam des 19. Jahrhunderts an, wo die 14 Jahre alte May als dritte Frau mit einem wohlhabenden Landbesitzer verheiratet wird. Sie wird bald schwanger, und damit scheint ihr sozialer Status soweit gesichert, aber sie erkennt zunehmend, dass in den patriarchalischen Strukturen ihrer Heimat ihre Möglichkeiten stark eingeschränkt sind. Die Regisseurin hat sich von der eigenen Familiengeschichte inspirieren lassen - sie möchte mit dem Film ihrer Urgroßmutter und ihrer Großmutter, die in arrangierte Ehen gezwungen wurden, ein Denkmal setzen. Vor allem, weil Zwangsverheiratung in vielen Teilen der Welt immer noch ein Thema ist. Der Film wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem auf den Internationalen Filmfestivals in Toronto und in San Sebastian.

„La Camarista“ von Lila Aviles hat das Streben einer Hotelangestellten in Mexico City zum Thema. Deren tägliche Arbeit, deren Wünsche und Träume stehen im Mittelpunkt dieses ebenfalls bereits mehrfach ausgezeichneten Filmes. Die Schweizerin Bettina Oberli macht in dem Spielfilm „Le vent tourne“ einen Selbstversorger-Bauernhof in den Schweizer Alpen zum Zentrum des Geschehens. Die Idee, mit einer Windturbine selbst Strom zu erzeugen, konfrontiert die Protagonisten mit den Fragen nach den eigenen Bedürfnissen und Wünschen und dem Streben, im Einklang mit der Natur leben zu wollen.

Als österreichischer Beitrag, der mit großem Erfolg seine Weltpremiere auf der letzten Viennale gefeiert hat, wird am 7. März der von Christiana Perschon gestaltete Film „Sie ist der andere Blick“ gezeigt, der sich mit den fünf wichtigsten Vertreterinnen der feministischen Avantgarde in Österreich beschäftigt. Das Portrait dieser fünf Frauen erzählt von deren künstlerischen Anfängen und der Normalität des Sexismus in den 60er und 70er Jahren.  Christiana Perschon wird übrigens heuer den Österreich-Pavillon auf der Biennale gestalten.

„Das Festival schafft einen Raum für gemeinsame Erfahrungen und Auseinandersetzung“, schreibt Univ. Prof. Dr. Elisabeth Holzleithner in ihrem Vorwort zum Festival. Weiter führt sie aus: „Es stiftet Solidarität im Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung – mit Sensibilität für Unterschiede wie für Gemeinsamkeiten unter Frauen. So entsteht ein ganz wichtiger Kontrapunkt zu rechtsnationalistischen, immer auch antifeministischen Zuspitzungen in Politik und Gesellschaft.“

Die Personale ist der österreichischen Oberbeleuchterin Kimber Lee Jerrett gewidmet, die bei Filmen wie „Das weiße Band“ von Michael Haneke oder „L´Animale“ von Katharina Mückstein zusammen mit dem jeweiligen Director of Photography für die Lichtgestaltung verantwortlich war. Nach der Matura studierte Kim zunächst Kamera an der Filmakademie. Wie etliche Studienkollegen arbeitete sie neben ihrem Studium an der Akademie, um Geld zu verdienen und Erfahrung zu sammeln: Sie volontierte im Arbeitsbereich Licht, was sie so sehr interessierte, dass sie das Studium abbrach, um weiterhin als Beleuchterin zu arbeiten. Heute ist sie eine der ganz wenigen Oberbeleuchterinnen in Österreich und Mitglied des Vorstands von Leuchtkraft, dem Berufsverband für Filmlicht und Grip. Kim Jerret zu engagieren braucht eine lange Vorlaufzeit, denn bis Herbst ist sie ausgebucht und wechselt zwischen Kino und TV, dazwischen macht sie auch kleine Ausflüge in die Welt der Werbung. „Ich habe mir damals gedacht, als Kamerafrau ist die Konkurrenz einfach sehr groß, beim Licht hab ich mehr Chancen.“ Außerdem hat sie das Thema Lichtsetzen einfach immer schon fasziniert. Auf die Frage, ob sie nicht als Kamerafrau heute durchaus mehr Chancen hätte angesichts der ständig geführten Diskussion um den Anteil der in Schlüsselpositionen beschäftigten Frauen, meint Kim sehr offen: „Keine Ahnung, ich fühle mich beim Licht sehr wohl und habe es bis heute nicht bereut.“

Den Workshop, zu dem sich bis Redaktionsschluss nur Frauen angemeldet hatten, möchte sie sehr offen gestalten. „Die Frauenfilmtage sind an uns, den Verband Leuchtkraft, herangetreten. Es wird sich um den Beruf und meine Erfahrungen als Beleuchterin drehen.“ Eine der Teilnehmerinnen hatte auch schon konkret einen Wunsch für das Programm geäußert: Wie kann man mit wenig Aufwand interessante Lichtstimmungen gestalten? Genau das ist das Thema, denn mit viel Aufwand kann es zwar auch nicht jeder, aber zumindest fällt es leichter. Denn das Lichtsetzen sei ein Beruf. 

Warum sie sich als Studentin im Fach Kamera für den Berufsweg zur Oberbeleuchterin entschieden hat, welche Änderungen, Herausforderungen sich durch LEDs oder die Digitalisierung ergeben haben,  oder mit welchem Equipment sie am liebsten arbeitet, erzählt Kimber Lee Jerrett im Gespräch mit Wolfgang Ritzberger, nachzulesen ab Seite 24 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.

Frauenfilmtage 2019
28. Februar bis 7. März
www.frauenfilmtage.at

Workshop „Licht als Beruf“: Oberbeleuchterin Kim Jerrett präsentiert gemeinsam mit anderen Beleuchtern Equipment, beschreibt den Beruf und führt in grundlegende Techniken ein.
Samstag, 9. März ab 11 Uhr bis circa 14 Uhr
Ort: Firma Dopplinger, Huglgasse 8, 1150 Wien
Der Workshop ist kostenfrei, Anmeldung (Angabe von Name, Email und eventuell Beruf) per Email an: office@leuchtkraft.at
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