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Wiener Heiltumsbuch, Wien 1502
Fotos: Österreichische
Nationalbibliothek
Historische Buchbestände der Österreichischen Nationalbibliothek online zugänglich

Die Österreichische Nationalbibliothek wird in einer Public Private Partnership gemeinsam mit Google ihren gesamten historischen, urheberrechtsfreien Buchbestand digitalisieren und online zugänglich machen. In den kommenden Jahren werden rund 400.000 Werke weltweit online und kostenfrei zur Verfügung stehen.

Google kooperiert im Rahmen von Google Bücher mit mittlerweile mehr als 40 Bibliothekspartnern und tausenden von Verlagen weltweit, mehr als zwölf Millionen digitalisierte Werke können bereits online durchsucht werden. Die historischen Buchbestände der Österreichischen Nationalbibliothek zählen zu den fünf wichtigsten Sammlungen weltweit. „Wir haben vor, die Digitalisate auch über die Europeana, die gemeinsame Europäische Digitale Bibliothek, zugänglich zu machen“, betont Generaldirektorin Dr. Johanna Rachinger die internationale Dimension des Projekts.

Die Österreichische Nationalbibliothek folgt mit dieser Kooperation dem Beispiel renommierter Bibliotheken: Die Bibliotheken von Universitäten wie etwa Harvard, Stanford oder Oxford arbeiten bereits seit mehreren Jahren mit Google zusammen. In Europa reiht sich die Österreichische Nationalbibliothek mit diesem Schritt zur Volltextdigitalisierung allerdings unter die Vorreiter. Google kooperiert bislang mit zehn europäischen Bibliotheken. Im deutschsprachigen Raum hat bisher nur die Bayerische Staatsbibliothek im Frühjahr 2007 einen Vertrag mit Google unterzeichnet. Die bislang einzigen Nationalbibliotheken weltweit, die am Bibliotheksprogramm von Google teilnehmen, sind jene von Rom und Florenz.
Ein Projekt dieser Größenordnung sieht einen entsprechenden finanziellen Rahmen vor, der für die Österreichische Nationalbibliothek allein nicht zu bewältigen wäre, zudem die Bibliothek auch andere ambitionierte Projekte wie den Bau eines zusätzlichen Tiefspeichers anstrebt, um weiterhin ihrer Sammlungs- und Archivierungsverpflichtung nachkommen zu können.
Die Kosten für die Volltextdigitalisierung eines einzigen Buches sind enorm. Fast eine halbe Million Bücher sind für das Projekt vorgesehen. Google übernimmt zur Gänze die Digitalisierungskosten. Die nicht unerheblichen Kosten für die Vorbereitung und Bereitstellung der Bücher sowie für Speicherung und Zugänglichmachung der Digitalisate trägt die Österreichische Nationalbibliothek.
Neben dem Kostenfaktor spielt auch der Zeitfaktor eine wichtige Rolle: aufgrund des von Google entwickelten hocheffizienten Workflows kann die Digitalisierung des gesamten historischen Buchbestands der Österreichischen Nationalbibliothek in wenigen Jahren durchgeführt werden. Ein Digitalisierungsvorhaben dieser Größenordnung würde normalerweise mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen.
www.onb.ac.at

Der Inhalt für Google Bücher stammt aus zwei Quellen: dem Partnerprogramm und dem Bibliotheksprojekt. Partner (typischerweise Verlage) stellen Google ihre Bücher zur Digitalisierung und Online-Veröffentlichung zur Verfügung. Nutzern wird dann eine begrenzte Anzahl von Buchseiten gezeigt, die für ihre Suche relevant sind. Wenn Interesse besteht, können die Nutzer die Website des Verlags oder einen Online-Händler anklicken und das Buch erwerben.
Bibliotheken stellen Google ebenfalls ihre Bücher zur Digitalisierung zur Verfügung. Wenn ein Buch gemeinfrei ist, das heißt nicht mehr dem Urheberschutz unterliegt, wird es vollständig angezeigt. Ist es geschützt, erhalten die Nutzer einen grundlegenden Einblick über höchstens zwei oder drei Auszüge aus dem Buch sowie Informationen darüber, in welcher Bibliothek sich das Buch befindet oder wo es gekauft werden kann.
Schon vor mehreren Jahren hat die Österreichische Nationalbibliothek begonnen, ihre Bestände zu digitalisieren. Ein anhaltender Erfolg ist das Projekt ANNO (Austrian Newspapers Online) – die Digitalisierung historischer Zeitungsbestände, die von über 1.400 Usern täglich genutzt werden, oder das Online-Bildarchiv mit über 300.000 Bildern.
Die nun geplante Volltextdigitalisierung sämtlicher urheberrechtfreier Buchbestände ist der nächste logische Schritt von der ehemaligen Hofbibliothek des Habsburgerreiches hin zum modernen Informationsanbieter.


Statement von Bundesministerin Dr. Claudia Schmied
„Die Zusammenarbeit der Österreichischen Nationalbibliothek mit Google in der Digitalisierung des gesamten urheberrechtsfreien Buchbestands ist ein herausragendes Beispiel für eine Public Private Partnership im Kulturbereich. Durch dieses ambitionierte Projekt wird in naher Zukunft ein wesentlicher Teil von Österreichs schriftlichem Kulturerbe im Internet allgemein verfügbar und nutzbar sein. So eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten für Unterricht und lebenslanges Lernen, die maßgeblich zum Ausbau der Wissensgesellschaft beitragen werden.“


Über die Österreichische Nationalbibliothek

Als größte wissenschaftliche Bibliothek Österreichs blickt die Österreichische Nationalbibliothek auf eine traditionsreiche Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurück. Heute bietet sie Zugang zu mehr als 8,5 Millionen Objekten, über die Hälfte davon Bücher. Der historische Buchbestand der Österreichischen Nationalbibliothek zählt zu den wichtigsten Sammlungen weltweit. Das erklärt sich aus der historischen Rolle des Hauses als ehemalige Hofbibliothek des Habsburgerreichs. Dementsprechend verwahrt die Österreichische Nationalbibliothek auch umfangreiche und bedeutende historische Bestände aus dem ost- und südosteuropäischen Raum, etwa in tschechischer und ungarischer Sprache.

Die Österreichische Nationalbibliothek ist bekannt für ihre innovativen Dienstleistungen im Bereich der digitalen Informationstechnologien. So war sie eine der ersten Bibliotheken, die einen digitalen Katalog ihres gesamten Buchbestandes anbieten konnte und nimmt im Bereich der Bestandsdigitalisierung in Österreich eine führende Rolle ein.

„Fragen und Antworten“ zu dem Projekt unter www.onb.ac.at/austrianbooksonline/