Magazin
N E W S

Dezember 2011
Nr. 174


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Konstantin Wecker
Foto: Richard Föhr
In sich schauen

In der Rolle des SS-Standartenführers Schartow betreibt Konstantin Wecker in der Ukraine ein perfides Spiel mit der Perfektion. Bei einem Konzert zum Geburtstag von Heinrich Himmler lässt er drei musikalische Wunderkinder um ihr Leben spielen. Ein falscher Ton bedeutet den Tod.  Gabrielle Schultz sprach mit Konstantin Wecker auf dem Jüdischen Filmfestival Wien über seinen unerwarteten „politischen Seitenwechsel“,  seine neue CD „Wut und Zärtlichkeit“ und sein neues Buch „Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“.

In dem neuen Spielfilm von Marcus O. Rosenmüller wirkt Ihre Darstellung des SS-Standartenführers Schwartow erschreckend überzeugend. Wie war denn Ihre erste Reaktion, als Sie das Angebot erhielten, diese Charakterrolle zu spielen?
Als meine Agentin mir von dem Filmprojekt erzählte, habe ich im ersten Moment abgelehnt. Sie bat mich aber dann, das Buch doch zu lesen. Nachdem ich es gelesen hatte, dachte ich, das ist ein verdammt gutes Buch. So ein Buch bekommt man nur selten angeboten. Mein zwölfjähriger Sohn sagte dann allerdings, Papa, das kannst du nicht machen, dann nimmt dich dein Publikum nicht mehr ernst.
Ich habe nach dem Lesen aber gewusst, dass diese Rolle eine große schauspielerische Herausforderung darstellen würde und habe nach zwei Tagen des Nachdenkens zugesagt.
Ich kannte andere Arbeiten von Rosenmüller, ich wusste, dass er gut inszenieren kann. Er hat mir auch vorher genau erklärt, wie er den Film aus dem Blickwinkel der Kinder drehen wollte. Aber die Idee, mich mit der Rolle des SS-Standartenführers zu besetzen, kam von der Produzentin Alice Brauner. Eine durchaus auch werbewirksame Idee, die dazu führt, dass Menschen mich fragen, warum gerade Sie.

Wie haben Sie sich selbst empfunden, als Sie den fertigen Film gesehen haben?
Der Film nimmt mich immer wieder mit. Und eigentlich schaue ich mir Filme nicht an, in denen ich mitspiele. Außer ich habe die Musik komponiert, dann sehe ich die Filme natürlich an. Auf der einen Seite gefällt mir meine Leistung in dem Film, auf der anderen Seite erschrecke ich davor. Dieser Film ist eine der wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben, da ich festgestellt habe, was alles von diesem Schwartow in mir steckt. Ich habe einfach gespürt, dass es Dinge gibt, die unglaublich Spaß machen können, wenn man über Macht verfügt. Ich bin mit dieser Seite in mir konfrontiert worden, und zwar ganz schön kräftig.

Wie haben Sie sich denn gefühlt, als Sie das erste Mal diese perfekt sitzende Uniform trugen? Hat die Uniform eine Auswirkung auf ihr Spiel gehabt?
Ich hätte die Rolle niemals so gespielt ohne Uniform. Ich hatte die Uniform an und war in dem Moment ein anderer Mensch. Während der Dreharbeiten habe ich ein Foto von mir mit dem Handy gemacht und an ein paar Freundinnen geschickt - intellektuelle, antifaschistische Feministinnen. Da kam dann streckenweise die Antwort zurück: Aber fesch schaust schon aus. Die Antwort kam von Frauen, die eigentlich keine Gefahr laufen, sich in Uniformen zu verlieben.

Wie haben Sie die Rolle erarbeitet?
Marcus Rosenmüller hat viel mit den Kindern geprobt, aber er musste mit mir nicht viel proben. Die Uniform war eine große Hilfe und hat sich auf meine Bewegungen, meine Gestik und Sprache sofort ausgewirkt. Schwartow war ja auch ein großer Liebhaber von Musik, solange es nicht jüdische Musik war. Für mich war es nicht schwer, Mozart zu mögen.

Die Zuneigung zur Musik ist aber nicht das einzige Merkmal, das die Figur des Schwartow ausmacht. Auf einer anderen Ebene inszeniert er bzw. Sie auch sehr stark seine Zuneigung zur Kultur.
Sie haben sich alle inszeniert. Ich musste mich deshalb nicht so sehr auf die Rolle vorbereiten, weil ich durch meine ganze Politisierung vieles weiß. Ich habe mich mit dem Wahn intensiv beschäftigt, ich habe Bücher gelesen, Filme gesehen, Ausstellungen besucht. Und mein Vater war ja Antifaschist. Bei uns wurde im Elternhaus nichts verschwiegen, wir haben darüber offen geredet. Die meisten aus meiner Generation wurden angelogen, oder es wurde einfach geschwiegen. Bei uns fand immer eine offene Beschäftigung damit statt. Und ich weiß, welche Gelüste in einem wohnen. Ich habe mich in meinem Leben mit den Schattenseiten in meiner Person auseinandergesetzt und auseinandersetzen müssen. Und als Lyriker musst du das sowieso, das ist das Wesen der Lyrik, in sich zu schauen. Und dann entdeckt man auch Sachen, die nicht so angenehm sind.

Den Inhalt des Gesprächs finden Sie in der gesamten Länge in der Dezemberausgabe von MEDIA BIZ ab Seite 33, die Konzerttermine 2012 von Konstantin Wecker in Österreich auf www.mediabiz.at/veranstaltung/musik.htm und Informationen zum Buch „Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“ unter www.mediabiz.at/suchen&finden/literatur.htm
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