
Ulrich Seidl
Foto: Viennale |
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Sextourismus, Religion und Diätcamp
Regisseur Ulrich Seidl präsentierte bei der Viennale 2011 eine Arbeitsprobe seiner neuen Kinoproduktion „Paradies“. Es wäre nicht Ulrich Seidl, wenn dabei nicht etwas Außergewöhnliches entstehen würde. So will er in den nächsten Monaten nicht einen neuen Film, sondern gleich drei auf einmal präsentieren.
Text: Ernst Pohn
Kompromisse sind nicht seine Sache. Äußeren Umständen hat sich Ulrich Seidl noch nie gebeugt. Zu Beginn seiner Karriere flog er aufgrund seiner Filme von der Filmakademie. Und später, über viele Jahre, war das nicht anders. Er verfolgte konsequent seinen Stil weiter, ohne Rücksicht darauf, ob ihm das eine breitere Anerkennung brachte oder nicht. Letztlich wurde seine Beharrlichkeit aber doch belohnt, erstmals 2001 beim Filmfestival in Venedig mit dem Hauptpreis. Seither spielt Seidl international in der oberen Liga, und seine Filme werden regelmäßig bei den A-Festivals gezeigt.
Derzeit arbeitet Seidl an drei eigenständigen Kinofilmen gleichzeitig an drei Filmen über drei Frauen. Die Titel, die sich möglicherweise noch ändern werden, lauten derzeit „Sugar Mama“, „Wandermuttergottes“ und „Melanie“. Der erste Film handelt von einer etwa 50-jährigen österreichischen Sextouristin, die sich in Kenia mit den dortigen „Beach Boys“ vergnügt. Die Hauptfigur des zweiten Filmes ist eine katholische Fanatikerin, die an ihrer Ehe mit einem muslimischen Ehemann im Rollstuhl leidet, und im dritten Film besucht ein junges, schwer übergewichtigen Mädchen ein Diätcamp in Niederösterreich. Alle drei Filme behandeln so genannte große Themen unserer Zeit Kolonialismus, Rassismus, religiöser Fanatismus, Kampf der Kulturen und den aktuellen Schönheitswahn, quasi ein Abriss brisanter, aktueller Debatten. Gerade der Tourismus, das Thema, auf das er sich ursprünglich konzentrieren wollte, beschreibe, so Seidl, besonders gut den gegenwärtigen Zustand der Welt.
Mehr über dieses Monsterprojekt erfahren Sie auf Seite 32 der Dezemberausgabe von MEDIA BIZ. |