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November 2017
Nr. 226


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Irmin Kerck:
In 8370 Metern Höhe ist für Mensch und Motor nicht mehr ausreichend Sauerstoff in der Luft.
Die Gabe, gute Bilder zu sehen

Irmin Kerck beliefert mit seiner „Aerial Perspectives“ seit mehr als 15 Jahren Hollywoodstudios und TV-Sender in Nordamerika, Asien und Europa mit exklusiven Flugaufnahmen. Dieses Jahr ist ihm ein besonderes Kunststück gelungen: Er hat gemeinsam mit seinem Piloten und ausgestattet mit Equipment von Arri und Shotover um den Mount Everest einen neuen Höhenflugrekord für Flugaufnahmen aus dem Hubschrauber aufgestellt. Marc Miletich hat ihn via Skype zum Interview gebeten.

Irmin Kerck und sein Team drehen einen ganzen
Dokumentarfilm nur aus der Luft. Von der Nordseite
des Himalaya kommen sie dabei
in Höhen von mehr als 7000 Metern.

Fotos: Aerial Perspectives

Lieber Irmin, was machst Du gerade und wo steckst Du?
Ich mache Flugaufnahmen und bin derzeit in Tibet. In einer kleinen Stadt mit 130 000 Einwohnern – und ich bin dort der einzige Ausländer (lacht). Um uns herum haben wir lauter Berge, die zum Teil noch nicht mal Namen haben. Also es ist wirklich fantastisch hier!
Hier in Tibet sind wir die allerersten, die mit dem Hubschrauber drehen. Dass die Behörden das, noch dazu mit einem ausländischen DoP erlauben, grenzt an ein Wunder. Danke an meine chinesischen Partner. Gestern haben wir den Namche Barwa gedreht, einen 7000er, der erst ein Mal bestiegen wurde. 
Wir drehen hier einen ganzen Dokumentarfilm nur aus der Luft und filmen den Himalaya vom Norden her. Wir kommen auf einen Punkt in über 7000 Metern Höhe hinauf, den noch kein Mensch gesehen hat. Dort kommt auch kein Fotograf zu Fuß hin.
Wir machen die Flugaufnahmen mit dem Helikopter, mit niedrigster Geschwindigkeit und von sehr geringer Höhe aus, verwenden den Heli quasi wie ein Stativ. Dann steigen wir hinauf bis in schwindelnde Höhen, dorthin wo die Berge aufhören, in 7000 Metern Höhe.

In dieser Gegend hast Du kürzlich einen Rekordflug für Flugaufnahmen mit dem Heli absolviert. Wie ist es dazu gekommen?
Als ich 2010 begonnen habe, mit Reinhold Messner zu arbeiten, war mir von Anfang an klar, so was könnte ich nie, zu Fuß solche Höhen erreichen. Aber was ich kann, ist aufgrund meines Wissens und meiner Erfahrung in der Filmfliegerei auszuloten, wie hoch wir denn raufkommen. Reinhold Messner hat mir gesagt, es gibt von da oben keine vernünftigen Flugaufnahmen. Das war eigentlich die Ursprungsmotivation, die hat sich mit der Zeit verfestigt.

Wie ist diese Vision dann Wirklichkeit geworden?
Ich habe für dieses Projekt keinen Auftraggeber gehabt, ich habe es selber produziert. Zunächst habe ich die beiden Hauptsponsoren akquiriert – Arri und Shotover – und habe die restlichen Mittel selber aufgestellt. Dann bin ich einfach hingefahren. Mit zwei Assistenten und einem Producer, der auf das Geld geachtet hat.
Und wir haben einen guten Piloten dabeigehabt, der gemeint hat: ‚Ja, da komm ma schon rauf.’

Wie ist es dann konkret zu dem Rekordflug gekommen?
An diesem Tag haben wir ein bisschen Glück gehabt. Wir wurden von einem Bergführer gerufen, der zwei Leute in großer Höhe verloren hatte – 7800 oder 8000 Meter. Deswegen durften wir oder mussten wir sogar, diese zwei Leute suchen und sind daher noch näher zum Everest geflogen als ursprünglich geplant und haben mit dem Zoomobjektiv - mit der langen Brennweite - die Leute dort gesucht, wo sie verloren gegangen waren. Die beiden sind dann so auch gerettet worden, aus dieser großen Höhe, und es ist ihnen nicht mal was passiert. Keine Erfrierungen, nix.

Worin das Problem liegt, solche Höhen mit dem Hubschrauber zu erreichen, warum es für ihn kein Problem darstellt, in Extremsituationen die hoch komplexe Kameratechnik zu bedienen, warum das Zusammenspiel mit dem Piloten so wichtig ist und warum für ihn nach diesem Rekordflug das echte Problem auf 20 Meter über Grund liegt berichtet Irmin Kerck, der bereits zweimal bei Dreharbeiten mit dem Hubschrauber abgestürzt ist,

im Gespräch mit Marc Miletich. Nachzulesen ab Seite 31 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.

Irmin Kerck, Director of Photography und Inhaber von Aerial Perspectives (Gründung 2002), ist auf exklusive Flugaufnahmen für Film- und Fernsehproduktionen spezialisiert. Sein liebstes Gerät, um die Kamera optimal in Stellung zu bringen: Helikopter mit wenig Sprit und einer starken Turbine.
www.kerck.com

Marc Miletich, Kommunikationsberater und Inhaber des Medienunternehmens Sonovista Wirtschaftsdramaturgie (ebenfalls Gründung 2002), ist auf strategische Change-Kommunikation mittels Bewegtbildmedien spezialisiert.
www.sonovista.com
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