
Prof. Dr. Walter Dillenz mit Eva Ulmer-Janes
Foto: Gabrielle Schultz |
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Es gibt nichts Gutes, außer man tut es
Anfangs ohne „gesetzliche“ Rückendeckung, aber mit ansteckendem Pioniergeist hat Univ. Prof. Dr. Walter Dillenz in den letzten 20 Jahren an vorderster Front für ein zeitgemäßes Urheberrecht gekämpft. Dabei herausgekommen ist die VDFS - Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden, die jetzt ihren standhaften Geschäftsführer in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Gabrielle Schultz traf Walter Dillenz und seine Mitstreiterin und VDFS-Vorstandsvorsitzende Eva Ulmer-Janes im Piccini.
Es ist mehr als 20 Jahre her, dass wir uns das erste Mal getroffen haben, um die VDFS zu ....
Ulmer-Janes: Zu erfinden!
Dillenz: Ja, genau, erfinden tut man etwas, was es vorher nicht gegeben hat. Und was es vor 20 Jahren zum erstem Mal gegeben hat.
Was genau hat es vor 20 Jahren nicht gegeben?
Dillenz: Vor 20 Jahren war die Welt zwischen den musikalischen, literarischen und bildenden Urhebern aufgeteilt. Sie alle haben ihre Rechte gehabt, aber nicht nur ihre Rechte, sondern auch ihre Verwertungsgesellschaften. Das Problem war, die bislang Besitzenden davon zu überzeugen, dass ein Teil davon in Zukunft an die Filmschaffenden fließen sollte. Es war von Anfang eine Kampfsituation. Die erste Initiative ist ja von Ulrich Schulenburg ausgegangen. Parallel dazu arbeitete der Dachverband der Filmschaffenden unter Federführung ihres damaligen Obmanns Franz Novotny an der gleichen Idee, eine Verwertungsgesellschaft zu initiieren. Es gab dann erste Veranstaltungen des Dachverbandes, auf denen Gerhard Pfennig von der VG Bild-Kunst aus Deutschland genau erklärte, wie eine Verwertungsgesellschaft funktioniert. Am Ende wurde jedenfalls die VDFS gegründet.
Ulmer-Janes: Die Idee ist schon in der Luft gelegen, aber zur Verwirklichung hat es schon einen Juristen gebraucht, der die VDFS auch auf den Weg bringt.
Dillenz: Ja, und ich war zum Glück ja vorher bei der AKM rausgeflogen und stand im richtigen Moment zur Verfügung.
Ulmer-Janes: Die VDFS hat mit Ihnen wirklich Glück gehabt, und Sie hätten es bei der AKM auch nicht so schön gehabt wie bei uns. Wir brauchten jemanden, der das Geschäft wirklich kennt und der ernstlich auch daran interessiert ist, etwas zu bewegen.
1991 waren die gesetzlichen Grundlagen ja noch gar nicht vorhanden. Woher kam das erste Geld?
Dillenz: Ja, die gesetzlichen Grundlagen kamen erst 1996. In den ersten fünf Jahren haben wir ausschließlich von den Überweisungen ausländischer Verwertungsgesellschaften gelebt. Das waren die Bild-Kunst, die Suissimage, die GVL, also Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten. Das hat uns überhaupt in die Lage versetzt, die organisatorischen Grundlagen zu schaffen.
Ulmer-Janes: Wir erhielten dadurch genug Geld, um Anwälte und Steuerberater zu beschäftigen. Außerdem hatte uns das Kunstministerium ein Darlehen als Startkapital zur Verfügung gestellt. Als 1996 dann endlich die gesetzlichen Grundlagen geschaffen wurden, hat es schon einen funktionierenden Apparat gegeben.
Dillenz: Der Aufbau des Apparates hat allerdings damit begonnen, dass ich mit meiner Frau am Küchentisch gesessen und Radio- und Fernsehprogramme durchgegangen bin, Namen abgehakt und Karteikarten angelegt habe. Eine typische, aber nicht erfundene Pioniergeschichte. Daraus ist halt dann nicht General Motors oder Microsoft geworden, die eine ähnliche Gründungsgeschichte oder -legende haben, aber immerhin die VDFS. Allerdings - ohne Mitwirkung der Kreativen kann so eine Verwertungsgesellschaft nicht wachsen, das ist vollkommen klar. Vielleicht bedarf es am Anfang sogar einer außenstehenden Person, zum Beispiel eines Verlegers, der den Startknopf drückt und denkt, das ist ein gutes Geschäft, das könnt ma’ machen.
Mehr über den Aufbau der VDFS und ihre Aufgaben erfahren Sie in der Dezemberausgabe ab Seite 30 und unter www.vdfs.at. |