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Dezember 2017
Nr. 227


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Martin Seidl
Fotos: Austrian Audio
Making Passion heard

Nach einigen Turbulenzen und einschneidenden Veränderungen bei AKG folgte bekanntlich diesen Sommer der Schlussstrich unter 70 Jahre Audio-Tradition. Getrieben von ihren Ideen, die Welt der Akustik zu verbessern, hat sich ein Teil des AKG-Teams zu Austrian Audio formiert. Sylvia Bergmayer hat den Initiator und CEO Martin A. Seidl zu den Plänen befragt.

Mit dem C12 hatte AKG den Sprung vom lokalen Hersteller zur Weltmarke geschafft, die über Jahrzehnte hinweg für Qualität „Made in Austria“ bürgte. Die Marke AKG bleibt Teil des Harman-Konzerns, der seit dem Frühjahr als eigenständige Tochtergesellschaft von Samsung geführt wird. Die eigentliche Substanz hinter der Marke, das Team, wurde mit der Auflösung des Wiener Traditionsunternehmens frei gesetzt. Ein Teil des Kern-Teams hat sich nun dem Leitspruch „Making Passion heard“ und der Etablierung einer neuen Marke, Austrian Audio, verschrieben. „Die Frage stellt sich natürlich, hat die Welt auf eine neue Mikrofon- und Kopfhörermarke gewartet? Und ja, die Reaktionen, Glückwünsche und der Ansporn aus der ganzen Welt haben unsere Erwartungen übertroffen,“ freut sich Martin A. Seidl.



Wann wurde der Samen für Austrian Audio gestreut?
Das Ende von AKG hat sich zwar abgezeichnet, aber wirklich klar wurde es für das Team erst neun Monate vor dem tatsächlichen Aus. Als es im September 2016 dann offiziell war, habe ich angefangen, Pläne zu schmieden. Ich war 16 Jahre beim Harman-Konzern, acht Jahre bei JBL in Kalifornien, acht Jahre bei AKG. Da war die Richtung schon klar, Wege abseits von engen Konzernstrukturen zu suchen. Und nach dem ersten Schock war klar, das ist auch eine Chance - mit diesem Team, zumindest dem Kern des Teams, etwas Neues, wirklich Innovatives zu starten. Im Bereich Kopfhörer- und Mikrofon-Akustik gibt es ja weltweit vielleicht drei, maximal vier Teams, die auf diesem Niveau arbeiten wie das AKG-Team. Dann hat es rund sieben Monate gebraucht, bis die Kooperationen, Partner, potenzielle Kunden, Investoren gefunden waren, damit wir Austrian Audio auch wirklich ins Leben rufen konnten.

Da lagen doch einige Monate dazwischen und das Team war ja nicht von Anfang an in diese Pläne involviert?
Das war, glaube ich, der kritischste Punkt am ganzen Prozess. Natürlich gab es innerhalb des Teams auch einige Ansätze in Richtung Unternehmensgründung. Wenn man etwas mit Herz und Seele macht, gibt man nicht einfach auf. Aber dazwischen liegt noch der Weg von der Idee bis zur Durchführung eines Projekts, das finanziert ist oder zumindest auf guten Beinen steht. Diesen bin ich gegangen und habe erst Partner und Investoren gesucht und bin relativ spät, im Februar, an die Mannschaft herangetreten, um mein Projekt vorzulegen.
Wir haben 30 Leute zu einer Informationsveranstaltung eingeladen - und 29 sind gekommen. 17 Ingenieure sind nun im Team von Austrian Audio, das inklusive Geschäftsführung, Administration und Sales derzeit 22 Mitarbeiter umfasst. Sehr schlank gehalten. Es ist schon ein großer Unterschied, ob man als reines Excel-Sheet der Profitoptimierung dient oder ob man kurze Entscheidungswege nutzt und Zeit hat, Innovationen zu finanzieren. Wir wollen eine coole Marke aufbauen, die technisch ganz oben mitspielt, und wir reinvestieren soviel wie möglich in den Ausbau der technischen Möglichkeiten. Etwas, was sich ein Shareholder-getriebenes Unternehmen nicht leisten kann. Und wir können uns auch an kleine Projekte wagen. Wir sind offen für Kooperationen und haben schon tolle Kooperationen mit kleineren Start-Ups in Österreich und im Ausland und mit durchaus renommierten Pro-Audio-Marken. Ich finde, das ist viel befruchtender, da fließen Ideen von einem Unternehmen zum anderen. Und es gibt bei uns eigentlich keine oder nur sehr flache Hierarchien, es gibt keinen Chef-Engineer oder Chef von irgendetwas. Wir sind 20 Leute, die täglich miteinander zu tun haben, von denen jeder mit wechselnden Funktionen an diversen Projekten arbeitet.

Wie ist die Finanzierung so rasch gelungen?
Wir haben keine reinen Finanzinvestoren gesucht. Unser Business-Plan für die nächsten zwei bis drei Jahre ist so aufgebaut, dass wir für Unternehmen, die für beispielsweise Kopfhörer oder für kleine Lautsprecher Akustik-Entwicklung benötigen, als Dienstleistung ODM-Entwicklungen machen. Dafür haben wir schon Auftraggeber, teils aus der Pro-Audio-Branche, teils aus der Consumer-Elektronik-Branche, mit denen wir zum Teil auch langfristige Verträge, einige davon schon vor Unternehmensgründung, geschlossen haben. Das war schon ein Spiel in Bezug auf das Timing, sprich, ich habe zwar noch kein Unternehmen gegründet, möchte aber schon Kunden haben. Das Schöne war - unser Team hat doch eine gewisse Reputation, und ich selbst bin ja auch schon mehr als 20 Jahre im Audio-Business - dass die Leute mitgezogen sind, und gesagt haben, wenn du das machst und das Team dabei ist, wissen wir, dass das funktioniert.
Ein strategischer Kunde kommt auch aus dem produzierenden Gewerbe. Diese Firma hat in erster Linie Bedarf an akustischer Messtechnik. Die Messtechnik ist auch ein ganz wichtiges Standbein für Austrian Audio. Eine Expertise, die wir uns mit hoch kompetenten Mitarbeitern, die weltweit sehr guten Ruf genießen, gesichert haben. Wir können für kleine, wie große Produktionen voll gewartete End-of-Line Testsysteme für Akustik- und Elektronikmessungen bereitstellen.

Damit haben wir eine solide finanzielle Basis für die Zeit, die wir brauchen, bis unsere ersten Produkte veröffentlicht und verkauft werden können. Wir fangen ja quasi bei Null an, da wäre es unrealistisch, auch wenn man entsprechendes Know-how und viele Ideen hat, früher als in 18 bis 24 Monaten mit einem marktreifen Produkt zu rechnen.

Wie sich der ursprüngliche AKG-Spirit nun bei Austrian Audio wieder entfalten darf, wo die Schwerpunkte liegen und was die Planung für die kommenden Jahre vorsieht, erfahren Sie ab Seite 31 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.
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