Magazin
N E W S

Dezember 2011
Nr. 174


Bestellung

Götz Spielmann
Foto: Robert Newald
Geschichten aus dem Nichts

Am 1. Oktober hat der österreichische Autor und Regisseur Götz Spielmann (Oscar-Nominierung für „Revanche“) die Professur für Drehbuch an der Wiener Filmakademie übernommen. Gabrielle Schultz traf Götz Spielmann zum Gespräch.

Nachdem Sie im engeren Kreis der Bewerber für die Professur waren, war eine Probevorlesung wichtiger Teil des Berufungsverfahrens. Die Vizerektorin Claudia Walkensteiner-Preschl hat später in der Presse klar gemacht, dass die Studierenden Sie eindeutig präferiert hätten. Was war in der Probevorlesung gefordert?
Das war eine gut gewählte Aufgabe: das Drehbuch eines Studenten war mit diesem dramaturgisch zu analysieren und der nächste Arbeitsschritt zu besprechen. Das ganze coram publico. Das Buch war sehr komplex und die Aufgabe deshalb auf interessante Weise schwierig. Dass ich der Wunschkandidat der Studierenden war – die sind in Drehbuch ziemlich genau zur Hälfte weiblich - hat mich natürlich sehr gefreut. Aber es war mir auch eine Notwendigkeit. Ich hätte nicht gegen den Wunsch der Studierenden diese Arbeit beginnen wollen.

Ich habe selten einen Film gesehen, in dem es einem Regisseur gelungen ist, ein wirklich gutes Drehbuch zu zerstören. Ich glaube, dass man ein gutes Drehbuch immer erkennt.
Nur erkennen wenige den grundlegenden Einfluss eines Drehbuches auf den Film. Die Beurteilung von Filmen ist diesbezüglich, auch in Kritik und Theorie, sehr naiv. Vieles, was Qualität des Buches ist, wird gedankenlos der Regie zugeschrieben. Die steht halt im öffentlichen Vordergrund. Die Wurzeln beachtet niemand, sie liegen ja verborgen.
Dabei kann man die Bedeutung des Drehbuchs gar nicht zu hoch einschätzen. Es ist entscheidend für das Gelingen, es ist dessen Fundament. Es ist auch künstlerisch das schwierigste, finde ich. Weil es eben nicht Interpretation ist, sondern Ursprung, genuin schöpferisch. Es ist die Basis der Finanzierung, es mobilisiert die Kreativität von Regie, Schauspielern, allen anderen. Es fordert den Film heraus.
Aber es ist gemacht, um zu verschwinden. Hinter den Schauspielern, den Bildern, den Tönen, dem Rhythmus. Wenn der Film fertig ist, ist das Drehbuch verschwunden. Vielleicht deshalb die Unterschätzung der Drehbucharbeit. Übrigens waren viele der großen Filmemacher auch große Autoren, haben als solche begonnen. Fellini etwa, Bergmann, viele andere. Künstlerisch ist der Schritt vom Autor zum Regisseur nicht so groß. Der vom Regisseur zum Autor allerdings ist gewaltig. Daran krankt ein wenig der Arthouse Film: zu viele Filmemacher, die nicht wirklich das schwierige Handwerk des Schreibens erlernt haben. Es aber trotzdem tun. Das geht auf die Dauer nicht gut.

Aber ein großer Filmemacher benötigt noch andere Fähigkeiten. Er muss mit einem großen Team arbeiten und kommunizieren können.
Klar, das sind aber Charaktereigenschaften, keine künstlerischen. Natürlich gibt es auch eine Regiekunst, den persönlichen Ausdruck in der Inszen­ierung. Der ist aber äußerst selten. Die meisten Regisseure, auch sehr erfolgreiche, sind bloße Handwerker. Die Qualität ihrer Arbeit liegt grundlegend im Drehbuch der Filme. Sie wählen es gut aus, oder sind sehr gute Dramaturgen, oder können, ganz selten, tatsächlich beides.

Wie bei Götz Spielmann die Bücher entstehen, was er von vorwiegend aus den USA stammenden Rezeptbüchern für Drehbuchautoren hält und mehr erfahren Sie ab Seite 24 der Dezemberausgabe von MEDIA BIZ.
    ZURÜCK ZUM INHALT