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Dezember 2017
Nr. 227


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Vinyl aus dem Vulkanland

Das neue Album von DelaDap „ReJazzed“ ist seit Mitte Oktober auf 180 Gramm Vinyl erhältlich. Gepresst im südoststeirischen Fehring, wo - rund 15 Jahre nachdem das letzte Vinyl-Presswerk in Österreich geschlossen wurde  - drei musikbegeisterte Enthusiasten unserem kleinen Land wieder den Luxus einer eigenen Pressung gönnen. Wie aus ihrem Intensiv-Studium der Vinyl-Pressung Austrovinyl entstanden ist, haben die Gründer Peter Wendler und Johann Fauster Sylvia Bergmayer erzählt.

Gepresst wird nach Original-Rezepturen der goldenen 70er-Italo-Disco-Ära - klassisch schwarzes oder farbiges Vinyl in den Varianten deckend, transparent oder marmoriert. Vom Mastering und Lackschnitt über Galvanik und Pressen bis hin zur Verpackung deckt Austrovinyl den kompletten Fertigungsprozess ab; für die Drucksorten gibt es geprüfte Partner in Italien, Deutschland und auch in Österreich.
Erklärtes Ziel der Austrovinyl-Gründer ist es, mit persönlicher Beratung, kurzen Lieferzeiten, bester Qualität und individueller Gestaltung vorrangig österreichischen Musikern und Labels zu ermöglichen, ihre Vinyl-Projekte zu verwirklichen. Und das schon ab 100 Stück.

Mit ihrem Konzept kommen die steirischen Newcomer nicht nur der steigenden Nachfrage nach Vinyl generell, sondern besonders nach Klein-Auflagen nach. Zahlen wie jene von Viennola, die in St. Margarethen in den 70er-Jahren jährlich rund fünf Millionen Tonträger oder rund 200.000 Schallplatten in den letzten Jahren vor dem Verkauf des Schallplatten-Presswerks an Strato Zoo in der Schweiz im Jahr 1997 gepresst hatte, sind und bleiben Vergangenheit. Aber beispielsweise auch Sony setzt wieder auf Vinyl und hat, nachdem das Unternehmen im Jahr 1989 die letzten Vinyls gepresst hatte, heuer verkündet, im Frühjahr 2018 in der Nähe von Tokio wieder ein eigenes Presswerk zu eröffnen.

Austrovinyl hatte seinen ersten offiziellen Auftritt auf dem Vinyl & Music Festival in Linz Mitte Oktober. „Da waren kleine und mittlere Labels und Bands vertreten, die eigentlich keinen Zugang zu einem Presswerk haben, genau die Zielgruppe, die wir ansprechen möchten. Wir haben dort nicht nur gleich einen Auftrag lukriert und einige Anfragen erhalten, sondern wurden auch darin bestätigt, dass unser Konzept den Wünschen und Anforderungen unserer Zielgruppe entspricht“, freut sich Johann Fauster über das positive Feedback.
Die Idee wurde Anfang 2016 geboren, die erste Schallplatte im September 2017 gepresst. Hauptinvestoren sind die drei Eigentümer, ein Teil wurde vom Steirischen Wirtschaftsfonds gefördert und ein Teil wurde fremd finanziert. Die beiden Geschäftsführer, Peter Wendler und Johann Fauster, die in unmittelbarer Nachbarschaft aufgewachsen sind, haben schon im Alter von zehn Jahren in der örtlichen Blasmusikkapelle musiziert. Gemeinsam mit Johann Koller, der für den Bereich Marketing an Bord geholt wurde, sind sie als Trio Cuvée schon seit 2002 in der österreichischen Musikszene bekannt.

Musik verbindet zwar, aber wie kam es dazu, dass drei Menschen mit sehr unterschiedlichem beruflichen Hintergrund - ein Landwirt, ein Wirtschafsingenieur und ein Musiker – ein Schallplatten-Presswerk gründen?
Johann Fauster: Wir sind alle drei in der Musikszene sehr verwurzelt. Ich habe einige Produktionen selbst gemacht, selbst abgewickelt. Da steckt man sehr viel Herzblut hinein. Dass man dann sein Werk irgendeinem Broker schicken muss, und bislang gab es in Österreich keine andere Möglichkeit, und eigentlich nicht weiß, wo und von wem es gepresst wird, das hat mich als Musiker und Musikproduzent immer gestört. Das ist alles so anonymisiert. Und genau hier wollen wir ansetzen, persönliche Kontakte pflegen, persönliche Beratung bieten. Und die Kombination aus Musiker, Tontechniker, Maschinenbau und Marketing - da ist Johann Koller sehr stark - ist für unsere optimal.

Sie haben innerhalb von nicht einmal zwei Jahren quasi ein Studium absolviert, das es eigentlich nicht gibt?
Peter Wendler: Es gibt natürlich keine Anlaufstelle, wo man nachfragen oder lernen kann, wie man ein Presswerk eröffnet. Da war sehr viel Recherche-Arbeit nötig. Einerseits sind neue Maschinen auf den Markt gekommen, andererseits haben wir Hersteller gepuscht, die für uns alte Maschinen neu aufgelegt haben. Wir haben auch Maschinen aus anderen Bereichen für unsere Zwecke modifiziert. Das ist der Knackpunkt, man muss sich tief in die Materie einarbeiten und selbst Lösungen finden, weil es doch sehr viele Einzelschritte sind, bis man eine Platte pressen kann.
Johann Fauster: Keiner von uns hat vorher je eine Schallplatte gepresst. Wir haben Experten gesucht und gefunden. Unter anderem einen Schweizer Freak - ein besonderer Glücksfall für uns - der speziell für uns eine nagelneue Lackschneidemaschine baut. Seit den frühen 80er Jahren - es gab ein amerikanisches Modell und in Europa eines vom Mikrofon-Hersteller Neumann – werden keine mehr hergestellt. Der Schweizer Medienkünstler hat an der ETH in Zürich Technik studiert und vor rund zehn Jahren, also einige Jahre zu früh, selbst Schallplatten gepresst. Dann hat er seine Erfüllung gefunden, an der Schnittstelle zwischen Technik und Musik, und ist als Spezialist für diese alten Maschinen weltweit unterwegs, um sie zu servicieren und wieder instandzusetzen.
Und jetzt baut er eine für uns. Das Projekt hat er zwar schon lange in sich getragen, hatte schon verschiedene Komponenten selbst gebaut und alte modernisiert. Die neue Maschine sollte noch vor Ende des Jahres in unserem Werk ihren Betrieb aufnehmen.

Was die Original-Rezepturen der goldenen 70er-Italo-Disco-Ära ausmacht, was Vinyl-Pressen mit gutem Kochen gemein hat, wie Austrovinyl sich in den ersten Monaten entwickelt hat und mehr über die Gründer und leidenschaftlichen Plattensammler und ihre Zukunftspläne erfahren Sie ab Seite 21 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.

Austrovinyl - Tag der offenen Tür
19. und 20. Jänner 2018
Radkersburgerstrasse 9
8350 Fehring
www.austrovinyl.at, www.austrovinyl.com
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