Magazin
N E W S

Dezember 2011
Nr. 174


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Miranda July
Foto: RJ Shaughnessy
Entscheidungen fürs Leben

Mit „The Future“ präsentiert die Filmemacherin, Schauspielerin, Performance-Künstlerin und Autorin Miranda July nach sechs Jahren endlich ihren zweiten Spielfilm. Bester Anlass für ein Porträt über das Allround- und Ausnahmetalent.
Text: Michael Pekler


Wer das künstlerische Universum von Miranda July betreten will, braucht ein geheimes Wissen. Auf ihrer Homepage empfängt July ihre Besucher nämlich mit der Aufforderung „Enter Secret Password“. Nun hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man beginnt zu überlegen, mithilfe welcher geheimer Losung einem der Zutritt gewährt wird, oder man liest das Kleingedruckte: „You know the password, just clear your mind and look within. It will probably be the first word that you think of. (If this doesn’t work, try looking at a candle for a few seconds.)” Der eigentliche Witz dieses doppelsinnigen Spiels ist aber, dass man natürlich gar kein Passwort benötigt – ein einfacher Klick genügt, und man ist dort, wo man sein will. Aber möglicherweise hat man wenigstens eine Sekunde in den Gedanken an eine solche geheime Losung investiert.

In der ersten Szene von Miranda Julys jüngstem Spielfilm „The Future“ wiederum hat es sich ein junges Paar auf der Couch seiner Einzimmerwohnung gemütlich gemacht. Während beide in ihre Laptops starren, entspinnt sich ein Dialog darüber, was man wohl nur kraft seiner Gedanken zu leisten imstande sei. Ob man sich wohl ein Glas Wasser herbeiwünschen könne? Dafür seien seine Gedanken zu schade, meint Jason zu Sophie, denn er könne etwas Spezielles, nämlich die Zeit anhalten. Ob Sophie sehen wolle, wie das funktioniert? Und weil sie es ihm natürlich nicht glaubt, zählt Jason bis drei, klatscht in die Hände und – die beiden bleiben wie versteinert sitzen.

Hier wie dort geht es also um Innehalten und Introspektion, und wer möchte, kann dieses besondere Verhältnis von Zeit und Subjektivität fast in allen Arbeiten von Miranda July finden, die ihren gebürtigen Namen schon früh in den ihres „kreativsten“ Monats änderte. In ihrem interaktiven Onlineprojekt „Learning to love you more“, das sie gemeinsam mit dem Künstler Harrel Fletcher fünf Jahre lang bis 2009 betrieben hat (und das auf www.learningtoloveyoumore.com nach wie vor einsehbar ist), fordert July dazu auf, bestimmte Aufgaben auszuführen und das Ergebnis in Bild- oder Textform einzuschicken. „Klettere auf einen Baum und mache ein Foto von dem, was du siehst“ lautet etwa eine der Aufgabenstellungen, oder „Repariere etwas. Kein elektrisches Gerät, sondern zum Beispiel ein altes Möbelstück, das du ansonsten wegwerfen würdest.“ Als Audiofile einsenden konnte man die Eigenkomposition des „traurigsten Songs, der dir einfällt“, während die für das Gesamtkunstwerk Miranda July vielleicht aufschlussreichste Aufforderung lautete: „Gib dir selbst einen Ratschlag in der Vergangenheit.“
Wenn man sich nämlich einen solchen geben könnte, müsste man nicht nur in die eigene Vergangenheit zurückkehren können, sondern vor allem sich überlegen, was man im Hier und Jetzt ändern möchte – also innehalten und in sich gehen, so wie die Mittdreißiger Sophie und Jason, die nicht so recht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Sophie gibt in der Kindertanzschule rosa gewandeten Mädchen Ballettunterricht, Jason bei einer Telefonhotline technisch überforderten Kunden Ratschläge. Um ihre Krise zu überwinden, die längst auch von ihrer Beziehung Besitz ergriffen hat, entschließen sich die beiden zur Adoption einer verletzten Katze (der die Regisseurin mit verfremdeter Stimme eine eigene traurige Geschichte gönnt), die sie in genau einem Monat aus dem Tierheim abholen sollen. Und, wichtiger noch, sie schmeißen ihre Jobs und werfen ihr bisheriges Leben über Bord.
Was folgt ist eine zwischen melancholischer Poetik und skurrilem Humor schwankende Erzählung, die Sophie und Jason bei ihrer Selbstsuche begleitet.

Mehr über Miranda July und ihren neuen Film erfahren Sie ab Seite 22 der Dezemberausgabe von MEDIA BIZ und unter www.mirandajuly.com.

Kinostart „The Future“: 30. Dezember
www.thimfilm.at
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