
Peter Wczulek
Foto: Gabrielle Schultz |
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Ist es, was es ist?
Ende des 20. Jahrhunderts prognostizierten Medientheoretiker, dass die Realität irgendwann im Netz verschwinden würde. Der aktuelle Trend in Richtung Augmented Reality (AR) belegt das Gegenteil: die digitale Welt integriert sich immer stärker in die physische. Die so genannte Erweiterung der Realität über den Bildschirm soll ein lohnendes Geschäft werden. Gabrielle Schultz sprach mit dem Wiener AR-Pionier und Vienna Effects Inhaber Peter Wczulek über aktuelle Projekte.
Die Digital Box von Lego zeigt das dreidimensionale Modell schon vor dem Aufbau, und die iPhone-App WordLens leistet sekundenschnelle Übersetzung mittels visueller Worterkennung: Augmented Reality ist branchenübergreifend omnipräsent. Die Technologie eröffnet vielfältige Möglichkeiten zur computergestützten Anreicherung der physischen Welt mit digitalen Daten. Längst sprechen Experten von einem Paradigmenwechsel, der weitreichende Auswirkung auf unser zukünftiges Kommunikationsverhalten haben kann. Denn Informationen zu Personen, Dingen und Orten können in ganz neuer Form abgerufen werden.
Augmented Reality legt sich wie eine zweite Haut über die Wirklichkeit - etwa wenn eine Handy-Kamera Bilder der Umgebung einfängt. Auf dem Display werden zusätzliche Informationen eingeblendet zum Beispiel lexikalische Einträge zu einer Sehenswürdigkeit. Diese findet das Gerät, indem es mit GPS-Sensor den Standort sowie die Blickrichtung ermittelt. Und wer demnächst ein Auto kauft, braucht einfach nur mehr sein Smartphone auf die entsprechenden Teile des Autos richten, statt das 400 Seiten starke Handbuch zu studieren.
Über Handy-Apps soll Augmented Reality der Weg in den Massenmarkt geebnet werden. Die Marktforschungsfirma Juniper Research prognostizierte jüngst, dass die Zahl der herunter geladenen AR-Applikationen von 11 Millionen im vergangenen Jahr auf 14 Milliarden im Jahr 2015 steigen wird.
metaio, weltweit führender Augmented Reality Pionier und Sponsor des 10. Internationalen Symposiums für „Mixed and Augmented Reality“ (ISMAR), forscht an neuen Grundlagentechnologien für die realistische Darstellung einer „augmentierten“ Welt. Auf der diesjährigen ISMAR Ende Oktober präsentierte metaio seine neuesten Entwicklungen zu Gravity-Aligned Feature Description (GAFD), 3D Objekterkennung und der dreidimensionalen Rekonstruktion von physischen Umgebungen - alles notwendige Techniken, um virtuelle Elemente auf möglichst natürliche Weise in die reale Welt zu integrieren.
Peter Wczulek hat die AR-Software Unifeye Design von metaio in einem spektakulären Projekt für den global tätigen Konzern LiSEC eingesetzt, der Gesamtlösungen im Bereich der Flachglasverarbeitung und veredelung anbietet (www.lisec.de).
Sie gelten seit mehr als zehn Jahren in Österreich als Spezialist für ausgefallene und anspruchsvolle 3D- und 4D-Animationen in der Film- und Gaming-Branche und beschäftigen sich bereits seit Jahren mit dem Thema Augmented Reality. Was für ein Projekt haben Sie für LiSEC auf der Mailänder Messe Vitrum heuer realisiert?
In Leiben bei Melk gibt es bei der Winterglas Isolierglas und Fertigungstechnik GmbH eine Fertigungsstraße für Glaszuschnitt, also ein Versuchspark, in dem neue Maschinen von LiSEC für die unterschiedlichsten Glaszuschnitte getestet werden. In dieser Fertigungsstraße werden beispielsweise große, rohe Glasplatten wie Isolierglas LiSEC ist ja unter anderem führend auf diesem Gebiet - geschnitten, gebohrt und verarbeitet. Diese 400 Meter lange Fertigungsstraße haben wir im Maßstab von 1:100 verkleinert und - sehr einfach ausgedrückt auf einen speziell designten Tisch gestellt.
Sie haben also eine Fertigungsstraße im Miniaturformat geschaffen? Haben Modellbauer die einzelnen Stationen der Glasverarbeitung mit Hand gebaut?
Nein, das hätte niemals funktioniert. Im Grunde haben wir hier die Rapid Prototyping Drucktechnik mit Augmented Reality verbunden, was bislang einzigartig ist. Rapid Prototyping heißt ja nichts anderes als „schneller Modellbau“ und ist der Überbegriff über verschiedene Verfahren zur schnellen Herstellung von Musterbauteilen ausgehend von Konstruktionsdaten. Für die Erstellung der wasserfesten 3D-Modelle dieser Miniaturfertigungsstraße mussten wir die im Cinema 4D Format vorliegenden Maschinenmodelle teilweise neu aufbauen beziehungsweise mit viel Aufwand die vorhandenen Modelle „zusammenschweißen“. Die Größe der Modelle war maßgebend für deren Stabilität und Festigkeit. Am Ende der einzelnen Fertigungsphasen entsprach die Modellfestigkeit der von Gips. Wir mussten sehr sauber und präzise arbeiten, um jedes Detail zu erfassen.
Rapid Prototyping ist also ein dreidimensionales Druckverfahren, mit dem ich eine Modellwelt schaffen kann? Wie entsteht bei diesem Verfahren die dritte Ebene?
Ganz einfach, mittels eines speziellen Pulvers. Für die 78 Modelle, also die einzelnen Stationen der Fertigungsstraße, benötigt man rund 10.000 Kubikzentimeter dieses speziellen Rapid Prototyping Pulvers.
Und wie haben Sie dann diese Glasfertigungswelt mit der Augmented Reality Software verbunden?
Die einzelnen Stationen haben wir mit so genannten Trackingmarkern versehen. Wenn der Verkäufer jetzt eine HD Kamera hat und diese auf einen der Marker richtet, löst er damit eine 3D-Animation aus. Auf der Messe stand unmittelbar am Tisch ein HD-Monitor, auf der dann die zu den jeweiligen Stationen passenden 3D-Animationen, die ich ebenfalls erstellt habe, zu sehen waren. Diese AR-Anwendung ist im direkten Kundenkontakt ganz einfach zu bedienen.
Welche AR-Software eingesetzt wurde und weitere Details über dieses Projekt und die von metaio im Rahmen der ISMAR 2011 vorgestellten Grundlagentechnologien erfahren Sie ab Seite 15 der Dezemberausgabe von MEDIA BIZ.
Direkter Draht zu Peter Wczulek Vienna Effects:
Tel./Fax: + 43 (1) 957 59 42
Mobil: + 43 (699) 1 957 59
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