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Dezember 2017
Nr. 227


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Stefan Sejka, MSc MSc, 24sound
(www.24sound.at)

Foto: Archiv
Das wird schon gut gehen

Eine „lockere“ Haltung, die in so manchem Fall ins Gefängnis führen, Kopf und Kragen oder im schlimmsten Fall Menschenleben kosten kann. Sylvia Bergmayer hat bei Stefan Sejka gefährliche Kuriositäten im Eventbereich und Eigenverantwortung von Fachkräften und Unternehmern hinterfragt.

Fußballfans, die am 25. Juni 2008 dem Europameisterschaftsspiel Deutschland gegen die Türkei auf dem Wiener Rathausplatz beiwohnten, ist dieser Event sicher noch und letztendlich in guter Erinnerung geblieben, obwohl sie unerwartet aufgefordert wurden, umgehend die Fanzone zu verlassen. Eine Entscheidung, die sicher weder den Veranstaltern noch den Meteorologen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) leicht gefallen ist, da der Auslöser dafür nur eine, allerdings durchaus begründete, Vermutung für „Gefahr im Verzug“ war: ein außergewöhnlich starkes Unwetter, das die Fans in Lebensgefahr hätte bringen können. Ähnliches ist bei der Eröffnung des Life Ball am 17. Juli 2010 geschehen. Auch hier wurde die Veranstaltungsfläche am Rathausplatz wegen eines herannahenden Unwetters aus Sicherheitsgründen geräumt.

Eine Abspannung muss bis zu einer Tonne und mehr tragen. Das wird dieser kleine Zaun­pfeiler offensichtlich wohl nicht schaffen.
Foto: Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker
Veranstalter von Open-Air-Events werden immer wieder aufgrund unsicherer Wetterbedingungen vor die Entscheidung gestellt, die Veranstaltung durchzuführen oder sie abzusagen oder abzubrechen, um
Publikum und Mitarbeiter vor möglichen, nicht plan- oder abwendbaren Gefahren zu schützen und damit auch einen wirtschaftlichen Schaden in Kauf zu nehmen. Das Gefahrenpotenzial ist allerdings nicht auf Wetterkapriolen beschränkt, so manche Bühnenkonstruktion birgt Kuriositäten, die, wie auf den hier abgedruckten Fotos leicht erkennbar ist, es schon einer leichten Böe ermöglichen, diese umzuwerfen.

Kuriositäten der Veranstaltungstechnik
Unter diesem Titel finden unzählige Bilder mit teils schadenfreudigen Kommentaren Verbreitung auf Facebook und sogar eine eigene Seite, die dazu einlädt, „verrückte Bilder, Links und Videos aus der Veranstaltungstechnik, wie man es am besten NICHT machen sollte“ zu teilen. „Die richtige Reaktion wäre allerdings,“ so Stefan Sejka, „statt Fotos auf Facebook zu posten, den Mangel vor Ort zu melden. Auch wenn eine Fachkraft wie Beleuchtungs-, Beschallungs- oder Veranstaltungstechniker nur als Besucher oder als Passant, also auch wenn kein Auftragsverhältnis besteht, bei einer mobilen veranstaltungstechnischen Anlage erhebliche Mängel oder ,Gefahr in Verzug’ feststellt, ist sie verpflichtet, ihrer Warn- und Hinweispflicht umgehend nachzukommen. Bei ,Gefahr in Verzug’  - das  kommt hierzulande allerdings zum Glück extrem selten vor - muss ein Techniker unmittelbar handeln. Überzogen formuliert müsste er sich vor die Gefahrenquelle stellen und diese abriegeln. Ein Beispiel wäre eine völlig wackelige Bühnenkonstruktion, die jederzeit zusammenbrechen könnte, sobald Wind aufkommt. Das ist allerdings ein schmaler Grat. Ohne Wind handelt es sich um einen schweren Mangel. Um ,Gefahr im Verzug’ handelt es sich erst, wenn tatsächlich Wind aufkommt.“
Oft zu vernehmende Selbst-Affirmationen wie „des hoit scho“ prophezeien sowohl die Beständigkeit des Wetters als auch so mancher Bühnenkonstruktion, die vielfältige Mängel, wie die hier abgebildeten Beispiele aufweisen. Tritt der Glücksfall ein, dass das Wetter tatsächlich hält, besteht immer noch Gefahr, dass irgendjemand eine falsche Stelle einer derartigen Konstruktion etwas heftiger berührt und sie damit zum Einsturz bringt.
Fehler lassen sich nie hundertprozentig vermeiden, es sollte aber allen bewusst sein, dass jeder, vom Unternehmer bis zum Auszubildenden, der fahrlässig oder vorsätzlich einen Schaden verursacht, haftbar gemacht werden kann. Die Hauptursachen für Mängel sind laut Stefan Sejka Zeit- und Gelddruck und Unwissenheit in großem Stil.

Die Warn- und Hinweispflicht gilt für jede Fachkraft
Mit dem Wissen um diese rechtliche Grundlage erübrigt sich auch die Gewissensfrage, ob eine Fachkraft sich involviert fühlen soll, wenn sie etwa nur als Passant einen Mangel erkennt. Zudem will wohl niemand verantworten, dass Personen zu Schaden kommen oder die eigene Berufsgruppe aufgrund eines Vorfalls, den man hätte verhindern können, in Verruf gerät.

Beispiele aus der Praxis, typische Mängel in den Bereichen Elektroinstallationen und Rigging und Möglichkeiten, wie man der Warn- und Hinweispflicht - vom „freundlichen“ Weg bis zum Behördenweg - entsprechen kann, sowie Tipps, wie Veranstalter ein notwendiges Maß an Sicherheit für sich selbst sicherstellen können, finden Sie ab Seite 18 der aktuellen Ausgabe von MEDIA BIZ.

Mängel aus der Sicht der BBT für mobile veranstaltungstechnische Anlagenund Kontaktdaten der Behörden:
www.bbt.at/assets/Uploads/pdf/BB-109-3.pdf

Berufsgruppe für Beleuchtungs-, Beschallungs-, und Veranstaltungstechniker (BBT)
www.bbt.at

Schulungen: www.bbt.at, www.kfe.at
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