Magazin
N E W S

Dezember 2011
Nr. 174


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Foto: MB
CD vor dem Exitus?

Die Gerüchteküche brodelt fleißig vor sich hin: 30 Jahre nach ihrer Einführung sollen die großen Musikverlage daran arbeiten, die CD abzuschaffen. Schneller als wir glauben. Ein kleiner Realitätscheck von Georg Burdicek.

Zugegeben, es hört sich schon nach konspirativer Verschwörungstheorie an, was man in manchen brancheninternen Newslettern dieser Tage zu lesen bekommt. Angeblich würden die Major Labels daran arbeiten, spätestens Ende 2012 die gute alte CD sterben zu lassen und sie durch Downloads und Streaming zu ersetzen. Für den medienaffinen Menschen, der sein gestresstes Leben zwischen Smartphone, mobilem Internet und mp3-Player verbringt, dürfte das als ein durchwegs logischer Schritt erscheinen. Doch oft wird vergessen, dass es auch noch Menschen gibt, die Musikhören und dabei keinen mp3-Player besitzen, oder, Gott bewahre, noch nicht einmal einen Computer. Und selbst wenn Sie technisch hinreichend ausgestattet sind, haben Sie sicherlich schon folgende Situation erlebt: Sie warten auf jemanden, der sich womöglich etwas verspätet, schlendern nichts ahnend durch ein Kaufhaus, und Ihr Blick fällt auf eine CD, die sie spontan kaufen und mitnehmen. Gibt es die CD nicht mehr, gibt es auch nichts mehr mitzunehmen – denn ein neuer physischer Datenträger für den „realen“ Verkauf ist nicht in Planung.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch die dieser Tage veröffentlichte Statistik der Musik-Verkaufszahlen der deutschen MediaControl, die die verschiedenen Verkaufsmedien aufschlüsselt. Demnach entfielen dieses Jahr neun Prozent der Verkäufe auf Musik-DVDs, Vinyl, SACD und andere Sonderformate, 17 Prozent auf digitale Downloads und verschwindende 74 Prozent auf die klassische CD. Damit ist der Anteil physischer Tonträger in Deutschland höher als der mit 60 Prozent angenommene im internationalen Durchschnitt.

Kann es sein, dass die Branche so dumm ist, 74 Prozent ihres Umsatzes zu vernichten? Zugegeben, das ist vielleicht ein wenig polemisierend, denn wahrscheinlich würde ein beträchtlicher Teil der Käufer mangels eines anderen Angebots auch mit Downloads vorliebnehmen. Allerdings würde das zu einer nachhaltigen Beeinflussung des Kaufverhaltens führen und nicht wenige Kunden verärgern. Wenn diese gezwungen werden, auf ein Medium auszuweichen, dass von Anfang an durch einen großen Schwarz- und Graumarkt in Form  illegaler Downloads gekennzeichnet ist, ist die Chance recht groß, dass er zumindest einen Teil seines Medienkonsums aus eben diesen grauen Quellen bedient, sind sie doch nur einen Mausklick entfernt.

Aber was ist mit der Audioqualität? Seit fast 30 Jahren beklagen sich die Gegner der CD, dass deren digitale Audioqualität mit ihren beschränkten technischen Spezifikationen aus den späten 70er-Jahren nicht ausreichend sei. Es gab zahlreiche gescheiterte Versuche, ein digitales Distributionsmedium mit höherer Audioqualität auf den Markt  zu bringen, exemplarisch seien hier die Super Audio CD von Sony und Philips bzw. die DVD-Audio genannt. Beide Formate sind weitgehend gescheitert, zumindest in Hinblick auf den Massenmarkt. Wobei die SACD zumindest in der audiophilen Ecke ihre Anhänger gefunden hat, wohingegen die DVD-Audio komplett tot ist.
Und nun steht endlich der Nachfolger der CD an, aber dieser wird noch nicht einmal CD-Qualität erreichen.

Wie Georg Burdicek den Trend hinsichtlich Audioqualität und datenreduzierende Kodierverfahren, Transportabilität und Qualität von Musik oder Hybride Distribution einschätzt, erfahren Sie ab Seite 36 der Dezemberausgabe von MEDIA BIZ.
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